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13.06.2018 Das Gladbacher Crowd Solving Konzept erklärt

Crowd Solving (deutsch Lösungsansatz durch Schwarmverhalten) geht auf eine Wortschöpfung von Claus Brell in 2016 zurück und wurde von den Wirtschaftsinformatikern Wilhem Mülder, André Schekelmann und Claus Brell am Forschungsinstitut GEMIT der Hochschule Niederrhein in Mönchenglabach zu einem generischen Ansatz zur Verkehrsoptimierung für logistikintensive Gebiete, dem Gladbacher Crowd Solving Konzept, weiterentwickelt.

Funktionsweise des Konzeptes

Crowd Solving beruht darauf, dass viele Akteure in einem logistikintensiven Gebiet ihre Vorhaben und kurzfristigen Planungen transparent machen und alle Akteure Zugang zu diesen Informationen erhalten. Weiterhin werden die Informationen mit weiteren relevanten Daten, die allgemein verfügbar aber nicht an einer Stelle gebündelt sind, angereichert. In einem spieltheoretischen Ansatz kann nun jeder Akteur entscheiden, ob er sein Verhalten aufgrund der erhaltenen Informationen modifiziert und diese Verhaltensänderung wiederum bekannt macht. Dadurch, dass alle Akteure nun ihr Verhalten an den verfügbaren Informationen ausrichten, wird eine deutliche Reduktion von Verkehrsspitzen erwartet.

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Grundsätzlich kann das Konzept über ein Plattformmodell implementiert werden. Dabei werden zunächst kontinuierlich Daten gesammelt und geeignet zusammengeführt. Datenquellen können Menschen sein, aber auch Sensoren und Maschinen. Ebenso können weitere, auch unstrukturierte Daten einfließen. Damit ähnelt Crowd Solving dem Mechanismus von Open Innovation. Für die Anreicherung mit unstrukturierten Daten (Wetterdaten, Facebook- und Twittermeldungen …) können Big-Data-Ansätze zum Einsatz kommen. Nach einer Aufbereitung entsprechend einem Data-Warehouse-Ansatz werden die Daten über eine Datendrehscheibe wieder an die Akteure verteilt. Damit ähnelt Crowd Solving einem Managementinformationssystem, Zielgruppe besteht hier allerdings aus allen am System beteiligten Menschen.

Die Informationszusammenführung und Informationsbewertung nutzen aktuelle, aber bewährte IKT-Ansätze aus verschiedenen Fachdisziplinen (Industrie 4.0, Process Mining, Data Warehouse und Extract-Transform-Load (ETL)-Prozesse, Big Data). Dabei sollen bereits erfolgreich eingesetzte organisatorische und informationstechnische Lösungen der Anrainer in ein schlüssiges Gesamtkonzept integriert werden. Obgleich der konzeptionelle Ansatz des Konzeptes sehr einfach ist, ist erst jetzt mit der Verfügbarkeit von leistungsstarken mobilen Internetzugängen eine Implementierung zu geringen Kosten möglich. Kern der technischen Umsetzung sind Webservices, die Informationen sammeln und entgegennehmen und über ein Dashboard allen beteiligten Akteuren zur Verfügung stellen. Neben der Verfügbarkeit der Informationen über das Dashboard sollen weitere Wege der aktiven Informationsbereitstellung beschritten werden, beispielsweise über SMS.

Empirische Belege

Bis spätetstens Ende 2020 wird der Produktionsbetriebes der Datendrehscheibe im Projekt logistiCS beginnen. Erst dann werden belastbare Zahlen zur Nutzung des Konzeptes vorliegen. In 2017 wurde in einer empirischen Untersuchung die Bereitschaft der Akteure untersucht, Informationen bereitzustellen bzw. Informationen zu nutzen. Erwartungsgemäß ist die Bereitschaft, Informationen zu nutzen, größer als die Bereitschaft, selber Informationen zu liefern (Kuron & Brell 2018). Die Ergebnisse der Untersuchung werden derzeit durch einen Befragung einer größere Teilnehmerzahl abgesichert, das Ergebnis wird im Frühjahr 2019 erwartet.

Förderung der aktiven Teilnahme durch Gamification

Um insbesondere die aktive Teilnahme und die Motivation (McClelland, 1988) der Akteure am Gladbacher Crowd Solving Konzept zu erhöhen, werden derzeit Gamification-Ansätze (Herger 2014; Brell 2018) in des Konzept integriert.

Spiel-Design-Elemente (Schell, 2016) sind direktes Feedback, Schaffung von Gemeinschaften, mittelbare realweltliche Vorteile.

Quellen

  • Brell, Claus (2018): Wie Gamification den Methodenapparat der Wirtschaftsinformatik bereichert. In: Informatik Aktuell. Alkmene Verlaggesellschaft. Frechen. Online Ressource
  • Herger, Mario (2014): Enterprise Gamification – Engaging People by letting them have fun
  • Kuron, Ralf; Brell, Claus (2018): Informationen verfügbar machen. In: Hafenzeitung 02/2018. Düsseldorf. S. 3. Online Ressource http://hafenzeitung.de/downloads/archiv/pdf/hafen-zeitung_2018_02.pdf
  • McClelland, David Clarence. (1988): Human motivation. Cambridge University Press
  • Schell, Jesse (2016): Die Kunst des Game-Designs – Bessere Games konzipieren und entwickeln. 2. Auflage. Frechen, mitp.
  • Sonntag, Christian (2018): Auf den Fahrer kommt es an. In: NIU – Das Magazin der Hochschule Niederrhein. Krefeld. S. 36-37. Online verfügbar unter: www.hs-niederrhein.de/niu
  • o.A.: Knoten lösen – Verkehrskollaps vermeiden. In: Vizepräsident für Forschung und Transfer (2018): Forschungsbericht #3. Krefeld. S. 68-69. Online verfügbar unter: [1]

Weblinks

13.09.2017 – Kick-Off-Meeting im Düsseldorfer Hafen – logistiCS erreicht eine neue Stufe

Die Unternehmen im Düsseldorfer Hafengebiet sollen in das Projekt logistiCS mit einbezogen werden. Hierzu findet eine weiteres Kick-Off-Meeting im Düsseldorfer Hafen bei Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG statt. Die Zahl der assoziierten Partner, die von den Projektergebnissen profitieren werden, wird wachsen.

04.09.2017 – Zweite Fokusgruppe zur Bedarfsanalyse – logistiCS nimmt Fahrt auf

Die zweite Fokusgruppen wurde bei der Fa. Göldner im Neusser Hafen durch das Institut GEMIT durchgeführt. Der Interviewleitfaden wurde überarbeitet und auf die Problemlagen im Neusser Hafen fokussiert. Dabei wurden u.a. Beobachtungspunkte für die Verkehrszählung festgelegt, die aktuelle Erkenntnisse über die Anteile des LKW-Verkehrs in und um die Neuss-Düsseldorfer Häfen liefern soll.

28.06.2017 – Kick-Off-Meeting im Neusser Hafen

Für die Einstimmung auf die Projektphase „Detailanalyse“ treffen sich interessierte Hafenanrainer mit TraffgoRoad GmbH und dem Forschungsinstitut GEMIT der Hochschule Niederrhein bei der Firma Contargo im Neusser Hafen. Hier wurden weitere wichtige Impulse für den Erfolg des Forschungsprojektes gegeben und weitergehende Ideen (Parkplatz-Sharing, Innovative Konzepte zur Mitarbeitermobilität …) entwickelt.

01.04.2017 – logistiCS Projektstart

Der Neuss-Düsseldorfer Hafen ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt am Niederrhein. Da der Hafen mitten in der Stadt liegt und nicht in die Fläche wachsen kann, das Verkehrsaufkommen aber weiter steigt, müssen Konzepte her, um die steigende Logistikintensität in Zukunft bewältigen zu können. Dazu haben die Wirtschaftsinformatik-Professoren Claus Brell, Wilhelm Mülder und André Schekelmann vom Forschungsinstitut GEMIT der Hochschule Niederrhein zusammen mit der TraffGo Road GmbH für die Hafenanrainer das Gladbacher Crowd-Solving-Konzept entwickelt. Das Projekt startet am 01.04.2017 mit Mitteln aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE).

Link zur Pressemitteilung der Hochschule Niederrhein: https://www.hs-niederrhein.de/news/news-detailseite/forschungsprojekt-will-verkehrsprobleme-mit-moderner-it-bekaempfen-17325/